Innovationsministerium und PROvendis zeichnen vier Hochschulteams als ,patente Erfinder 2009‘ aus

Vier Hochschulteams aus Dortmund, Düsseldorf, Münster und Siegen hat Dr. Michael Stückradt, Staatssekretär im Innovationsministerium, heute als Gewinner des Wettbewerbs „patente Erfinder“ ausgezeichnet. Vergeben werden die Preise für innovative Hochschulerfindungen mit hohem Marktpotenzial. „Keine Idee darf verloren gehen. Mit dem Wettbewerb wollen wir Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen motivieren, die Vorteile von Patenten zu nutzen“, sagte Stückradt.


Von links: Jürgen Dickmeis,Dr. Hakan Cinar, Prof. Dr. Helmut Ritter, Kerstin Fischer,Dr. Judith Scharte,Prof. Dr. Antja von Schaewen, Olessja Becker, PROvendis-Geschäftsführer Alfred Schillert,Staatssekretär Dr. Michael Stückradt,Dr. Christof Reiner,Prof. Dr. Hans-Jörg Deiseroth, Shiao-Tong Kong,Juryvorsitzender Hans-Jürgen Alt,VDMA, und Matthias Hermes

132 Forscherinnen und Forscher aus 12 Universitäten und 8 Fachhochschulen hatten sich mit ihren Ideen und Erfindungen um die vom Innovationsministerium und der Patentvermarktungsgesellschaft PROvendis GmbH ausgelobten Preise beworben. „Mit dem Hochschulwettbewerb patente Erfinder setzen wir an einer entscheidenden Stelle an, um die Innovationsfähigkeit zu verbessern: der Weiterentwicklung genialer Erfindungen bis zu dem Punkt, an dem sie auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant werden“, so PROvendis-Geschäftsführer Alfred Schillert.

Die Preisträger sind:

1. Preis: Prof. Dr. Antje von Schaewen und Team, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, erhöhte Stresstoleranz bei Pflanzen


Von links: Staatssekretär Dr. Michael Stückradt,Olessja Becker, Dr. Judith Scharte, Prof. Dr. Antja von Schaewen, Kerstin Fischer

Mit dem ersten Preis in Höhe von 15.000 Euro werden Prof. Dr. Antje von Schaewen, Olessja Becker, Kerstin Fischer, Dr. Judith Scharte, Dr. Hardy Schön und Zeina Tjaden vom Institut für Botanik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ausgezeichnet. Mit ihrer Entwicklung „EukaResist“ erreichen sie bei Pflanzen durch Iso-Enzym-Austausch eine erhöhte Stressresistenz: Die Pflanzen werden widerstandsfähiger gegenüber biotischen und abiotischen Stressfaktoren wie  Krankheitserregern und  Trockenheit. Gleichzeitig ist eine Zunahme des Samenertrags zu beobachten. „EukaResist“ hat damit globales Marktpotenzial, und gewinnt in Anbetracht  steigender Weltbevölkerung sowie schwankender Umweltbedingungen infolge des Klimawandels stetig an Bedeutung.

Zwar ist die Akzeptanz der europäischen Bevölkerung für transgene Pflanzen kaum vorhanden, doch wird in den USA bereits heute fast ausschließlich gentechnisch veränderter Mais angebaut. Die Erfindung wurde bisher in Tabakpflanzen getestet, ließe sich nach Einschätzung der Wissenschaftler aber auch auf weitere Nutzpflanzen wie Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln etc. anwenden.

2. Preis: Prof. Dr. Hans-Jörg Deiseroth, Shiao -Tong Kong, Dr. Christof Reiner, Dr. Marc Schlosser, Universiät Siegen, Lithium-Halogen-Argyrodyt „Limobile“


Von links: Staatssekretär Dr. Michael Stückradt,Dr. Christof Reiner,Prof. Dr. Hans-Jörg Deiseroth, Shiao-Tong Kong

Den mit 10.000 Euro dotierten zweiten Preis erhalten Prof. Dr. Hans-Jörg Deiseroth, Shiao -Tong Kong, Dr. Christof Reiner, Dr. Marc Schlosser vom Fachbereich Chemie der Universität Siegen für die Erfindung eines hoch leitfähigen Festelektrolyten für Lithiumionenakkus und –batterien. „Limobile“ ist nicht brennbar und daher sicherer als herkömmliche Elektrolyte. Außerdem ist der Elektrolyt in einem wesentlich breiteren Temperaturbereich einsetzbar als herkömmliche Batterien. „Limobile“ könnte daher Basis einer neuen Generation von reinen Festkörperakkus und –batterien („all-solid-state-batteries“) werden.

Lithiumionenakkus und –batterien gelten im Boom tragbarer Informations- und Kommunikationsgeräte als unverzichtbarer Stromlieferant für Notebooks, Mobiltelefone, iPods oder Elektroautos. Ein Problem der gängigen Lithium-Polymerbatterien mit Flüssigelektrolyt ist, dass sie brennen, ja sogar explodieren können. Der Festelektrolyt „Limobile“ aus Siegen besteht hingegen aus einem kristallinen Material (Li-Argyrodit), das nicht brennen kann, aber die notwendige hohe Ionenbeweglichkeit zeigt, die sonst nur Flüssigelektrolyte besitzen.

Fazit: „Limobile“ ist hoch leitfähig in einem großen Temperaturbereich und bietet daher gute Voraussetzungen für Schnellladungen, die kürzere Ladezeiten für den Anwender bedeuten. Ferner ermöglicht der Festelektrolyt monolithische, nur aus festen Materialien bestehende Systeme („all-solid-state-batteries“). Die technologische Realisierbarkeit in kommerziellen Systemen wird zurzeit in Kooperation mit der Firma SANYO geprüft.

3. Preis: Matthias Hermes, TU Dortmund, 3D-Profilbiegemaschine


Von links: Staatssekretär Dr. Michael Stückradt, Matthias Hermes

Der Maschinenbauer der Technischen Universität Dortmund, Institut für Umformtechnik und Leichtbau (Prof. M. Kleiner und Prof. E. Tekkaya), erhält als Gewinner des 3. Preises ein Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro für sein Verfahren zur Umformung von Rohren und asymmetrischen Profilen für Leichtbauanwendungen im Automobilbereich und im Luftfahrtsektor.

Das Verfahren ist sehr flexibel in der Formgestaltung und gerade bei kleinen und mittleren Stückzahlen kosteneffizienter als bekannte Verfahren. Diese sind oftmals teurer, bieten aber eingeschränkter Möglichkeit zur Formgestaltung.

Ein bereits entwickelte Prototyp der Biegemaschine beruht auf einem rollenbasierten Prinzip. Computergesteuerte Achsen bewegen Rollensysteme und definieren somit die Biegekontur. Um räumliche Konturen frei formen zu können, kann dabei zusätzlich das Profil mitsamt dem Rollensystem um seine Längsachse verdreht werden. So können Raumkurven fast beliebiger Art hergestellt werden.

Sonderpreis Technologietransfer: Prof. Dr. Helmut Ritter, Dr. Hakan Cinar,  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Gründung auf Basis „Thermoset“-Patent


Von links: Staatssekretär Dr. Michael Stückradt, Jürgen Dickmeis, Dr. Hakan Cinar, Prof. Dr. Helmut Ritter

Der Sonderpreis Technologietransfer im Wert von 8.000 Euro geht an zwei Wissenschaftler des Instituts für Organische Chemie und Moleküle der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Prof. Dr. Helmut Ritter, Lehrstuhl für Präparative Polymerchemie, und sein Mitarbeiter Dr. Hakan Cinar hatten die Geschäftsidee, Mattpulverlacke entsprechend den Wünschen von Pulverlackherstellern maßzuschneidern. Ihr Businessplan wurde mehrfach ausgezeichnet. Grundlage für ihr Unternehmen Rough Coating Design GmbH ist das Patent „Thermoset“ auf die Mattierung von UV-Pulverlacken.

Normalerweise glänzen UV-Pulverlacke. Ihre Mattierbarkeit stellte bisher eine Herausforderung dar. Indem die Düsseldorfer Wissenschaftler und Unternehmer Bisnitrone hinzusetzen,  können sie den Mattierungsgrad der Lacke von seidenmatt bis hochglänzend beliebig gestalten.

Leider konnten nur vier Preise vergeben werden. Dabei gab es zahlreiche geniale Erfindungen, mit denen sich Wissenschaftler aus Hochschulen beworben haben. Kopf an Kopf mit den ausgezeichneten Erfindungen waren im Wettbewerb zum Beispiel das kostengünstige Verfahren zur Herstellung von beliebigen Formteilen aus Siliziumkarbid, der AL-Top Feinstaubfilter, ein Synchronmotor für batteriebetriebene Fahrzeuge, eine Methode zur Kontrolle von Ionenenergien in Hochfrequenzplasmen, das Aachener Kunstherz MagnACcor und die Hochfrequenzlampe.


Von links: Prof. Dr. Gustav Schweiger, Prof. Dr. Klaus Radermacher, Staatssekretär Dr. Michael Stückradt, PreSeed-Jurymitglied Dr. Thomas Schwing, PROvendis-Geschäftsführer Alfred Schillert und Prof. Meinhard Knoll.

Im Rahmen der Preisverleihung Hochschulwettbewerb ,patente Erfinder‘ stellten die Gewinner des „Transfer.NRW: PreSeed“-Wettbewerbs ihre Ideen zur Verwertung von Spitzenforschung aus NRW-Hochschulen vor: Prof. Dr. Gustav Schweiger, Ruhr-Universität Bochum, möchte mit seinem Messsystem zur Feinstaubbelastung ein Unternehmen gründen. Prof. Dr. Klaus Radermachers Verfahren für minimalinvasive Knieendprothetik wurde an der RWTH Aachen im Rahmen interdisziplinärer Forschung in Medizin und Maschinenbau entwickelt und wird zur Cross-Innovation in der Wirtschaft. Prof. Meinhard Knoll, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, stellte sein patentiertes, elektronisches und organisches Mindesthaltbarkeitsdatum PolyTaksys vor.

Hinweis für die Printmedien: Ein Foto von der Preisverleihung kann als Pressefoto auf der Homepage der PROvendis-GmbH abgerufen werden unter der URL:
http://www.provendis-archiv.de/index.php?folder=/03_Veranstaltungen/01_Hochschulpreis/2009/04_Presseunterlagen/

Pressekontakt:

PROvendis GmbH
Katja Stiegel
Tel.: 0208-94105 0
E-Mail: presse@provendis.info


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